24.12.10 14:14 zaman: 9 yrs

Wider der Politik des Vergessens und der Verleumdung

 

Zur vor├╝bergehenden Verhaftung des Vorsitzenden der Alevitischen Gemeinde Deutschland und der Alevitischen Union Europa in Istanbul sowie der gewaltt├Ątigen ├ťbergriffe auf Aleviten w├Ąhrend des Gedenkens an die Opfer des Massakers in Mara┼č/T├╝rkei am 19.12.2010 erkl├Ąrt die Alevitische Gemeinde Deutschland.

Am 17.12.2010 wurde Turgut ├ľker, der Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) und gleichzeitig der Vorsitzende der Alevitischen Union Europa, bei seiner Einreise in die T├╝rkei in Istanbul vor├╝bergehend inhaftiert. Turgut ├ľker befand sich mit anderen Vertreterinnen und Vertretern alevitischer Institutionen auf dem Weg nach Mara┼č, um an den Gedenkfeierlichkeiten anl├Ąsslich der Pogrome an Aleviten teilzunehmen.

 

Mara┼č ist eine s├╝dostanatolische Gro├čstadt, in der 1978 ein staatlich geduldetes und organisiertes Massaker an Aleviten begangen wurde. Bei diesem Pogrom, das mehrere Tage andauerte, verloren Hunderte von Menschen grausam ihr Leben. 80% der alevitischen Bev├Âlkerung verlie├č f├╝r immer die Stadt Mara┼č. Die Hintergr├╝nde dieses Massakers an Aleviten sind bis heute nicht aufgekl├Ąrt worden.

 

Es ist skandal├Âs, dass der Vorsitzende einer in Deutschland anerkannten Religionsgemeinschaft durch den t├╝rkischen Staat wie ein Krimineller behandelt und in Polizeigewahrsam genommen wird. Diese politisch motivierte Verhaftung ist der Versuch der t├╝rkischen Regierung, das Gedenken an das staatlich organisierte Pogrom an Aleviten zu verhindern und Aleviten einzusch├╝chtern.

 

Die erst nach 32 Jahren das erste Mal am 19.12.2010 in Mara┼č stattgefundene Gedenkfeier wurde durch gewaltt├Ątige ├ťbergriffe von Mitgliedern der rechtsextremen MHP (Nationalistische Volks-partei) und BBP (Gro├če Einheitspartei) sowie islamistischen Fanatikern massiv attackiert.

 

In unmittelbarer N├Ąhe der Gedenkveranstaltung hatte sich eine Gruppe von 500 t├╝rkischen Rechtsextremisten und islamischen Fanatikern zu einer unangemeldeten Gegendemonstration versammelt. Mit lauter Musik, dem sog. ÔÇ×Wolfsgru├čÔÇť sowie dem Ruf ÔÇ×AllahÔÇśu akbarÔÇť (Allah ist gro├č) versuchten sie massiv, die anwesenden Aleviten einzusch├╝chtern. Anstatt die Gegenveranstaltung aufzul├Âsen, dr├Ąngte die t├╝rkische Polizei die alevitische Delegation zur Aufl├Âsung.

 

Die Alevitische Gemeinde Deutschland verurteilt auf das Sch├Ąrfste das Vorgehen der T├╝rkei an diesem Tag der tiefen Trauer und der Erinnerung an die Opfer der Pogrome an Aleviten. Dieses Ereignis hat gezeigt, dass so ein Pogrom in der heutigen T├╝rkei jederzeit wieder m├Âglich ist. 

 

Diese Politik des Vergessens, der Verleumdung sowie der Einsch├╝chterung ist exemplarisch f├╝r die islamistische Regierung der T├╝rkei. Bis heute werden die wiederkehrenden Pogrome an Aleviten verleugnet. Bis heute sind die T├Ąter dieser Massaker nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

 

Diese bewusste politisch-ideologische Strategie der T├╝rkei ist der N├Ąhrboden f├╝r rechtsnationalistisches und islamistisches Potential nicht nur in der T├╝rkei selbst, sondern auch hierzulande. Der starke Einfluss aus der T├╝rkei auf viele in Deutschland lebende Migrantinnen und Migranten f├╝hrt seit Jahren zu einem Erstarken nationalistisch-islamistisch gerierender Kr├Ąfte.

 

Dies konzentriert sich auf einen idealistischen Nationalismus, der stark von einem ├ťberlegenheitsgef├╝hl ÔÇ×der T├╝rkenÔÇť ausgeht und ethnische Minorit├Ąten wie Armenier, Kurden, Juden und Aleviten als unterprivilegiert darstellt.

 

W├Ąhrend in Deutschland Rechtsextremismus und Rassismus ├Âffentlich ver├Ąchtet werden, sind diese in der t├╝rkischen Gesellschaft fest eingebettet.

 

Wir rufen die Bundesregierung dazu auf, deutlich zu den Geschehnissen in Mara┼č und den Bedrohungen durch nationalistisch-islamistische Kr├Ąfte in Deutschland f├╝r unsere Sicherheit und Integrationsbem├╝hungen Stellung zu beziehen. Ein Land wie die T├╝rkei, das von Deutschland die Erinnerung an M├Âlln und Solingen stets einfordert, jedoch die Erinnerung an eigene Verbrechen an Aleviten, Armeniern usw. bis heute vehement verweigert, hat in der europ├Ąischen Wertegemeinschaft nichts verloren.

 

Auch in Zukunft wird die alevitische Gemeinschaft keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass wir als Bundes- und Europaverband die Pogrome an Aleviten als historische Tatsache anerkennen und weder eine Relativierung noch Verharmlosung dulden werden.

 

Wir Aleviten haben in Deutschland gelernt, wie essentiell es ist, eine Kultur des Gedenkens und Erinnerns zu pflegen. Auch im deutschen Schul- und Bildungssystems muss eine kritische Auseinandersetzung mit nationalen Geschichts- und Identit├Ątsbildern der T├╝rkei stattfinden.

 

gez.

Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) 

 

F├╝r Interviewanfragen und weitere Ausk├╝nfte steht Ihnen zur Verf├╝gung:

 

Ali Ertan Toprak ÔÇô 2. Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. (AABF)

 

Erreichbar ├╝ber sein Sekretariat unter den Rufnummern

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