20.01.11 01:27 zaman: 1 yrs
Handwerk fehlt der Nachwuchs
Ausbildung Handwerk fehlt der Nachwuchs Deutschlands
Handwerksbetriebe gehen mit vollen Orderbüchern aus der Krise. Einziges Manko: Nicht alle Lehrstellen konnten besetzt werden weshalb sich der fehlende Nachwuchs bald bemerkbar machen wird. Wiesbaden – Krise? War da was? Im hessischen Handwerk jedenfalls ist die Stimmung so gut wie lange nicht mehr. Das Jahr 2010 lief bestens, die Auftragsbücher waren voll, die Betriebe legten beim Umsatz zu, stellten Personal ein – und 2011 soll es so weitergehen. Zu diesem Ergebnis kommt die am Mittwoch vorgestellte Konjunkturumfrage des Hessischen Handwerkstages (HHT). Einziger Haken: Es fehlt der Nachwuchs. „Wir werden bereits Ende 2011 wieder den Stand erreicht haben, den wir vor der Wirtschafts- und Finanzkrise hatten, also viel schneller als erwartet“, sagt Handwerkstag-Präsident Bernd Ehinger. Eine Antriebsfeder waren laut Ehinger die Konjunkturprogramme von Bund und Land. „Viel geholfen hat aber auch, dass Privatleute bereit waren, Geld auszugeben, von dem auch einiges bei Handwerkern ankam.“ Offenbar hätten viele Menschen lieber in Sachwerte investiert, statt ihr Geld auf der Bank zu lassen. Der Aufwärtstrend hält an Für das laufende Jahr rechnet Handwerkstag-Geschäftsführer Harald Brandes mit einer stabilen Aufwärtsentwicklung. Er erwartet ein Umsatzplus von bis zu zwei Prozent und eine Zunahme der Beschäftigung um etwa ein Prozent. Die knapp 72000 hessischen Handwerksbetriebe erwirtschaften etwas mehr als 30 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen rund 350.000 Mitarbeiter. „Zwar sind die Umsätze aus den Konjunkturprogrammen rückläufig, der private Sektor aber ist konstant, und nun kommen vermehrt Aufträge wieder aus der Industrie“, sagte Brandes. Man setze dabei vor allem auf den Ausbau der regenerativen Energien und die weitere Sanierung des Gebäudebestandes, sagte Vize-Präsident Hans-Werner Scheck. „Es wird für die Betriebe aber immer schwieriger, Nachwuchs zu finden“, klagt Ehinger. Zwar habe es im vergangenen Jahr rund 500 neue Ausbildungsverträge mehr gegeben als 2009, insgesamt waren es knapp 10900. Allerdings seien auch mindestens 500 bei den Kammern gemeldete Lehrstellen unbesetzt geblieben. „In den Familien wird viel zu wenig über den Beruf geredet“, klagt Ehinger. Deshalb müssten Schule und Betriebe selbst für mehr Orientierung bei der Berufswahl sorgen. Diese müsse flächendeckend ausgebaut werden. So könnten mehr Jugendliche für das Handwerk gewonnen werden. Auch lasse sich die Zahl derer, die eine Ausbildung abbrächen, verringern. Zurzeit beende jeder Fünfte seine Ausbildung nicht. Quelle: http://www.fr-online.de/wirtschaft/handwerk-fehlt-der-nachwuchs/-/1472780/5299076/-/index.html
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Ermordeter Journalist Hrant Dink An Gerechtigkeit glaubt Rakel Dink nicht mehr
Er forderte, dass sich die Türkei mit dem Völkermord an den Armeniern auseinandersetzt. Hrant Dink hatte sich Feinde gemacht unter den türkischen Nationalisten. Vor vier Jahren bezahlte er das mit seinem Leben. Seine Witwe setzt sich heute für den Dialog mit den Armeniern ein. Berlin – Rakel Dink war nicht gekommen, um jemanden anzuklagen. Vielmehr, so sagte die Witwe des ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink, gehe es ihr darum „die Erinnerung wach zu halten“. Doch so sehr sich die 51-Jährige während eines informellen Treffens mit Journalisten in Berlin auch mühte, einen versöhnlichen Ton anzuschlagen, so deutlich war ihre Trauer um den Tod ihres Mannes zu spüren. Vier Jahre ist es her, dass Hrant Dink, Chefredakteur und Herausgeber der armenisch-türkischen Zeitung „Agos“, am 19. Januar vor seinem Verlagsgebäude in Istanbul von einem türkischen Nationalisten erschossen wurde. Die Nachricht sorgte weltweit für Entsetzen. Es war ein Schlag für die Türkei, die sich gerne als Rechtsstaat präsentiert. Doch nach Meinung von Rakel Dink war die Ermordung ihres Mannes nur das Ende einer jahrelangen Einschüchterungskampagne. Hrant Dink hatte sich bei Nationalisten Feinde gemacht, weil er dafür kämpfte, dass sich die Türkei mit dem Völkermord an den Armeniern auseinandersetzt und sich die Bevölkerungsgruppen näherkommen. Er wollte einen Dialog anregen. Stattdessen stieß er auf Hass. Dreimal wurde Dink wegen „Beleidigung des Türkentums“ angeklagt. Immer wieder erhielt er Drohungen, nach Angaben seiner Frau selbst aus der Regierung, die allerdings immer als „Warnungen“ betitelt wurden. Für einige war Dink zu der größten Hassfigur geworden. Allein auf seinem Computer entdeckten die Ermittler 2500 Droh-Mails. Behörden wussten offenbar von Mordplänen Auch der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter brachte der Witwe wenig Klarheit. Deutlich werde dabei nur, dass die Behörden über die Mord-Pläne offenbar informiert waren und Hintermänner deckten. Beweismaterial werde zurückgehalten, sagt Rakel Dink, und die Richter machten sich über sie lustig. Wenn die Witwe heute erzählt, gestikuliert sie mit ihren Händen. Das wirkt lebendig. Aber ihre Augen blicken manchmal ins Leere, so als könne sie nichts mehr überraschen. An Gerechtigkeit, sagt Rakel Dink, glaube sie nicht mehr. Aber daran, dass sie den „Menschen ins Gewissen reden“ und etwas ändern kann. Den Mut dazu gab ihr ausgerechnet die Beerdigung ihres Mannes. Entgegen ihrer Erwartung waren Hunderttausend gekommen, darunter viele Türken. Heute leitet sie die internationale Hrant-Dink-Stiftung und fördert den Dialog zwischen der Türken und Armeniern Quelle: http://www.fr-online.de/politik/an-gerechtigkeit-glaubt-rakel-dink-nicht-mehr/-/1472596/5298146/-/index.html