3.11.12 23:22 Alter: 5 yrs

Modernisierungspotenzial der Aleviten

Von: Alkis Kurul

Das Amt fĂŒr Multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt bietet wieder ein vielfĂ€ltiges Programm in der beliebten “Interkulturelle Wochen” – dieses Jahr vom 29. Oktober bis 18. November 2012.

In diesem Jahr beteiligte sich auch die Alevitische Gemeinde Frankfurt mit dem Vortrag “Modernisierungspotenzial der Aleviten – aus religiösen GrĂŒnden modern?” am 2. November 2012.

Nachdem Herr Dr. HĂŒseyin Akpinar die Geschichte der Aleviten kurz zusammenfasste, trug  Frau Dr. Gudrun Petasch den Werkstattsbericht ihres Forschungsprojekts. Das Alevitentum ist eine unorthodoxe und humanistische Lebensphilosophie, die den Islam mystisch interpretiert. Die Aleviten werden von der islamischen Mehrheit als HĂ€retiker verurteilt. Die Aleviten sehen sich selbst als “modern” und “fortschrittlich”.

Nach den AusfĂŒhrungen von Frau Dr. Petasch  intregrieren sie  sich durchgĂ€ngig problemlos in die moderne westliche Gesellschaft. Demnach leben sie in Deutschland nicht in ghettoartigen Siedlungsstrukturen, sie seien sehr stark bildungsorientiert, erwerbten meist die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft.

Doch sie gibt zu bedenken, dass dies nicht selbstverstĂ€ndlich sei. Denn die Aleviten haben aufgrund der Verfolgung mehrere Jahrhunderte in anatolischen Bergregionen mehr oder weniger von der Mehrheitsgesellschaft abgeschottet in sehr traditioneller Form gelebt. Sie fragt: “Doch widersprechen sich Tradition und Fortschritt nicht?”

Die Antwort findet sie in Max Webers Analyse – zum Beispiel ĂŒber die geschichtliche Entwicklung der Hugenotten. Die Hugenotten wurden als französische Protestanten vom katholischen Königtum sowohl aus religiösen als auch aus politischen GrĂŒnden bekĂ€mpft. Die Hugenotten, die aus Frankreich flohen, wĂ€hlten in ihren jeweiligen AufnahmelĂ€ndern eine demokratische Organisation.

Dr. Petasch weist auf Ähnlichkeiten hin und auf die Entwicklung, die die Aleviten durchgemacht haben:

“Nur durch die Trennung von Politik und Religion konnte die Transformation des traditionellen Alevitentums in die urbane Umwelt gelingen.”

Die Fragen im Anschluss zeigten, dass noch grundlegende Kenntnisse ĂŒber die Aleviten im Publikum fehlten. So wurden Fragen diskutiert, ob das Alevitentum nun innerhalb oder außerhalb des Islams seien und ob das “MĂŒsahiplik” (=”Weggemeinschaft”) reformiert werden sollte.  Dabei behandelt das Forschungsprojekt den Modernisierungspotenzial der Aleviten in ihrer Geschichte, nicht das Potenzial in der Gegenwart.

Quelle: http://passkreuz.wordpress.com/