Muharrem - Fasten (29.12.08- 09.01.2009, jedes Jahr zehn Tage fr├╝her)

Das Muharrem-Fasten wird laut arabischem Kalender jedes Jahr zehn Tage fr├╝her als im Vorjahr abgehalten. Da sich das Fasten nach dem arabischen Kalender orientiert, ist die Fastenzeit beweglich (Beginn: 20 Tage nach dem 1. Opferfesttag).

Durch die zw├Âlft├Ągige Trauerzeit zeigen die Aleviten ihre Verbundenheit mit dem Imam H├╝seyin, der im Jahre 680 n. Chr. in Kerbala ermordet wurde. Um seinen Leidensweg nachzuempfinden, wird bei der Trauer gefastet und Enthaltsamkeit ausge├╝bt. Sp├Ąter wurden auch weitere Nachkommen der Prophetenfamilie (ehl-i beyt) von der Omaijadendynastie ermordet. Zu Ehren weiterer Imame wird deshalb zw├Âlf Tage gefastet.

Die beispiellose Widerstandsleistung von Imam H├╝seyin gegen die Ungerechtigkeit nimmt in Anatolien bei der Erziehung der Kinder einen gro├čen Platz ein. Imam H├╝seyins Widerstand gegen die Ungerechtigkeit bzw. sein Gerechtigkeitssinn wird den alevitischen Kindern in Form von ethischen Maximen gelehrt. Jedes Jahr gedenken die Aleviten dem Martyrium von Kerbala, wobei Yazid I. verflucht wird. Sie danken Gott daf├╝r, dass Imam Zeynel Abidin Kerbala ├╝berleben konnte und somit die Nachkommenschaft Alis - das Weiterleben des heiligen Wissens - sicherte. Im Gegensatz zu iranischen Schiiten f├╝gen sich die anatolischen Aleviten im Monat Moharrem keine k├Ârperlichen Schmerzen zu, und stellen das Martyrium von Kerbala nicht als Schauspiel dar.

Aleviten setzen das Muharrem- Fasten mit Kerbala, Fasten und Trauer gleich. Das Nachempfinden von Kerbala im Monat Muharrem ist f├╝r die Gl├Ąubigen einer der wichtigsten Grundpfeiler. Das Fasten ist keine absolute Pflicht, aber je nach k├Ârperlicher Verfassung und pers├Ânlichen Umst├Ąnden betr├Ągt es zw├Âlf Tage. Nach dem Abendessen wird nichts mehr gegessen und getrunken bis nach Sonnenuntergang des folgenden Tages. Das Essen am Abend ist dann sehr einfach und nicht ├╝berm├Ą├čig, denn die Enthaltsamkeit ist immer der zentrale Punkt.

Es wird in keiner Form Fleisch verzehrt; man achtet sehr darauf, dass kein Blut flie├čt. Streitigkeiten werden vermieden, Gef├╝hle anderer werden nicht verletzt, keinem Lebewesen wird Leid zugef├╝gt, auch die Natur wird dementsprechend behandelt (nichts abbrechen, nichts schneiden). Man h├Ąlt sich von jeglichem Vergn├╝gen fern (keine Hochzeit, Verlobung, usw.). Man flucht nicht, h├Ąlt sich von Tratsch fern, man lebt im Einvernehmen mit den Nachbarn und anderen Menschen.

W├Ąhrend der Fastenzeit kommen die Mitglieder der Gemeinde zum Fastenbrechen im Cem-Haus zusammen. Mindestens ein Geistlicher ist immer anwesend und beantwortet Fragen zum Thema. Das Gemeinschaftsgef├╝hl wird dadurch verst├Ąrkt.

A┼čure (10.01.2009 beendet immer das Muharrem- Fasten)

Nach 12-t├Ągigem Moharrem- Fasten wird eine S├╝├čspeise (A┼čure) gekocht und als Symbol der Dankbarkeit unter Bekannten, Verwandten und Nachbarn verteilt und gemeinsam gegessen. Aleviten bringen mit a┼čure ihren Dank zum Ausdruck, dass Zeynel Abidin, der Sohn von Imam H├╝seyin aufgrund seiner Krankheit das Massaker von Kerbala ├╝berlebte.

A┼čure ist eine - aus zw├Âlf verschiedenen Zutaten bestehende - S├╝├čspeise. Die Zutaten k├Ânnen variieren, aber sie m├╝ssen zw├Âlf an der Zahl sein, denn diese symbolisieren die 12 Imame. Es sind z. B. Weizen, Bohnen, Saubohnen, Kichererbsen, Kastanien, Haseln├╝sse, Pistazien, Mandeln, Sultaninen, Feigen, Aprikosen und Waln├╝sse.

Die alevitischen Gemeinden feiern den A┼čuretag sowohl in den Gemeindeh├Ąusern als auch an ├Âffentlichen Pl├Ątzen, wie z. B. vor dem K├Âlner Dom. Sie informieren die deutsche ├ľffentlichkeit ├╝ber diese Feier. Aleviten nehmen das A┼čure- Fest als ein Anlass zum interreligi├Âsen Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften.

Quelle: www.alevi.com